Im Sommer 1999 wurde
in Eppelheim bei Heidelberg das Musical „Die schwarze
Witwe" uraufgeführt. Die Zusammenarbeit von Komponist
Michael Bellmann und Regisseur Joerg Mohr mit Jürgen Ferber, dem
Geschäftsführer des Eppelheimer Kulturzentrums (und Sänger),
erwies sich als ausgesprochen produktiv, weshalb die Idee entstand,
zusammen ein neues Musical zu erarbeiten und auf die
Bühne zu bringen. Auf der Suche nach einem geeigneten Stoff stieß Michael Bellmann zufällig auf die Biografie „Lewis
Carroll" von Thomas Kleinspehn und bat seine beiden Mitstreiter, sich diese doch
ebenfalls einmal anzusehen.
Während Bellmann vor allem die von Carroll ersonnenen
Phantasiewelten fasziniert hatten, reizte Ferber und Mohr stark die menschliche
Seite Carrolls. Schließlich kennt zwar nahezu jeder „Alice im
Wunderland", aber wer weiß schon etwas über die Entstehung und den Autor dieses
Kinderbuchs? Innerhalb weniger Tage stand fest, dass die beiden ein Buch
schreiben würden, auf dessen Grundlage Bellmann die Musik komponieren und die
Liedtexte schreiben konnte.
Aufwendige Recherchen in der Literatur und dem Internet sowie
Besuche vor Ort in England ergaben ein Bild des Autors, Mathematikers und
Fotografen Lewis Carroll, das eine Umsetzung als (in diesem Genre üblich)
reines Unterhaltungs-Stück unmöglich erschienen ließ. Doch gerade
diese Tatsache bestätigte Jürgen Ferber und Joerg Mohr in ihrer Entscheidung
für diesen Stoff. Die tragischen und komischen, sympathischen und
abgründigen Seiten Carrolls wurden zur Herausforderung, Anspruch und Unterhaltung zu
verbinden. So entstand ein vielschichtiges Werk, das romantische,
anrührende und komische, aber auch nachdenkliche und beklemmende Momente hat.
Michael Bellmanns Musik verstärkt die verschiedenen Stimmungen und hat
nicht selten Ohrwurm-Qualitäten, was die vorliegenden Aufnahmen belegen.
Um Lewis Carrolls Leben als Achtjähriger bis zu seinem Tod
erzählen zu können, entschloss sich das Autoren-Trio, allen Darstellern
mehrere Rollen zuzuweisen und die Kinderrollen tatsächlich mit Kindern zu
besetzen. Acht Monaten konsequenter und verantwortungsvoller Vorbereitung ist
die seltene Tatsache zu verdanken, dass in dieser Produktion Kinder in
tragenden Rollen auf der Bühne zu sehen sind. Jeweils ein Mädchen und ein Junge
(beide doppelt besetzt und abwechselnd an den Aufführungen beteiligt)
spielen und singen gemeinsam mit zwei Erwachsenen (einer Mezzosopranistin und
einem Bariton). Das Orchester besteht (musical-untypisch) aus Klavier,
Percussion, Kontrabaß, Cello, Bratsche und Geige.
Die Inszenierung von Joerg Mohr setzt auf die Nähe zum Publikum
und schafft eine dichte Atmosphäre. Das Bühnenbild arbeitet mit Symbolen
und geschickten Umbauten. Die Kostüme wurden je nach Szene entweder
historisch korrekt oder in modernen Entsprechungen gewählt. Das
Kulturzentrum Eppelheim präsentiert mit „Hinter dem Spiegel" seine erste
Eigenproduktion. Das Musical soll als Repertoirestück im Jahr 2001 regelmäßig auf
dem Spielplan bleiben. Zunächst sind zwischen Februar und Mai 12 Aufführungen
terminiert. Die Uraufführung findet am 1. Februar in Eppelheim statt. Zur
Realisierung dieses Projektes arbeitet das Ensemble eng mit verschiedenen
Partnern aus Wirtschaft, Verwaltung und Medien zusammen.
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