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Schwetzinger Zeitung

"Artikel vom 3. Februar 2001"

Mitten in Herz und Ohr
Premierenpublikum war aus dem Häuschen

Eppelheim. - Mit Standing Ovations und frenetischem Beifall forderte das Premierenpublikum am Donnerstag seine Zugabe ein. Doch das Ensemble des uraufgeführten Musicals „Hinter dem Spiegel" war nach den gut 160 Minuten der gelungenen Premiere zu ausgelaugt, dem Wunsch nachzukommen.

Nach der „Schwarzen Witwe", die gleichfalls in der Rudolf-Wild-Halle ihre Premiere feierte, ist dem Duo Michael Bellmann, Komponist, und Joerg Mohr, Regie, mit dem Musical: „Hinter dem Spiegel" ein zweiter großer Wurf gelungen. Diesmal agierte hinter den Kulissen ein Trio, der Geschäftsführer der Hallengesellschaft, Jürgen Ferber, brachte sich sowohl als Sänger wie als Autor in das Stück mit ein.

Im Mittelpunkt des Musicals steht der Autor Lewis Caroll, der unvergessene Vater der „Alice im Wunderland". In zeitraubenden Recherchen hatte sich das Trio auf die Suche nach Spuren des Mannes gemacht, der viele Facetten in seinem Wesen verbarg. Geboren als Charles Lutwidge Dodgson wurde er zum Priester ausgebildet, ein Beruf den er nicht ergriff. Stattdessen arbeitete er nach seinem Mathematikstudium als Lehrer.

Dodgson, Erwachsenen gegenüber gehemmt, lebte in der Gesellschaft von Kindern auf. Nachdem er seine Liebe zur Fotografie entdeckt hatte, begann er unzählige Mädchen nackt zu fotografieren. Ein Kapitel im Leben des Mannes, über dem noch viel Schleier liegen. Doch dieser Neigung, seiner Liebe zu Alice Lidell, der Tochter des Dekans, verdankt die Nachwelt mit die Geschichte von „Alice im Wunderland“.

„Hinter dem Spiegel“ ist ein unterhaltsames Musical, ohne die dunklen Seiten des Autors auszublenden. Einen großen Teil seiner Wirkung verdankt das Stück der Tatsache, dass sich die Urheber die Mühe machten, wichtige Personen mit Kindern zu besetzen. Jörg Killius, Florian Riehm, Elodie Köhler und Raffaela Gregor sind trotzt ihres jungen Alters, sie sind zwischen zehn und zwölf Jahre alt, Künstler, derem Spiel und Gesang zuzuschauen Freude bereitet.

Immer wieder gefeiert wurden die beiden Hauptakteure, Angela Hepp, sie spielt eine Freundin von Carroll, und Jürgen Ferber, der der zerissenen Gestalt des Autors Leben einhaucht und Konturen verleiht.

Sehr zu statten kam der Aufführung die Anordnung des Orchesters inmitten der weit in den Zuschauerraum gebauten Bühne. Ohnehin wurde die Tribüne öfters in den Handlungablauf eingebaut, wodurch die Präsenz des Stückes deutlich gewann.

Eingebettet ist die Geschichte von Lewis Caroll in eine Musik, die mitreisst. Viele der Lieder haben Ohrwurmcharakter, insgesamt lenken die Melodien anschmieg­sam durch die Story.

Weitere Aufführungen des Musicals „Hinter dem Spiegel" finden am heuti­gen Samstag und morgen, Sonntag, jeweils 20 Uhr in der Rudolf-Wild-Halle statt. aw

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